Palliative Care
Wenn ein Patient keine Aussicht auf Heilung mehr hat, und wenn er irgendwann auch nicht mehr in der Lage ist, in die Praxis zu kommen, dann packt die Ärztin ihre Sachen - und geht zum Hausbesuch. Denn am Ende seines Lebens soll ein Mensch nicht leiden müssen. Und die Hausärztin, als vertraute Bezugsperson, ist diejenige, die damit auch ihrem Auftrag nachkommen möchte. So ermöglicht es D. Wild ihren Patienten, bis zum Tod Zuhause zu bleiben und so selbstbestimmt wie möglich zu leben.
„Palliativmedizin bezeichnet die medizinische Behandlung von Patienten von dem Zeitpunkt an, da ihre Krankheit nicht mehr heilbar ist", sagt D. Wild. Sie befindet sich gerade in der Weiterbildung für Palliativmedizin. „Die Schmerzbehandlung spielt da eine zentrale Rolle. Doch ganzheitliche Leidenslinderung bedeute mehr. Sie ziele ebenso auf psychische, soziale und spirituelle Probleme ab. Und diese beträfen die Angehörigen ebenfalls. „Ein Palliativmediziner muss auch den Angehörigen zur Seite stehen, so dass sie mit Krankheit und Trauer zurechtkommen. Meine Arbeit ist deshalb Familienmedizin pur."
Dass die Arztbesuche in der Regel zu Hause bei den Patienten stattfänden, sei ein großer Vorteil. In der gewohnten Umgebung sei der Patient offener und entspannter, betont sie. Es gebe keine künstliche Arzt-/Patientensituation, was für die ganze Familie Vorteile bringe.
Aber auch für sie als Ärztin sei das hilfreich. „Ich muss gar nicht erst abfragen, wie die Situation zu Hause ist, weil ich sie selbst erlebe und spüre. Ich bin dann ein Teil davon." Und das sei für ihre Patienten die beste Voraussetzung, um ein möglichst selbstbestimmtes Leben bis zuletzt zu führen. Teamarbeit auf allen Ebenen und die sinnvolle Vernetzung von Kompetenzen ist unerlässlich.
Palliative Care ist das Gesamtkonzept der Versorgung und integriert alle Berufsgruppen, den Patienten und seine Angehörigen. Entscheidungsfindungsprozesse und therapeutische Maßnahmen werden gemeinsam auf Augenhöhe entwickelt und getragen. Neben der medizinischen kommt vor allem der palliativpflegerischen Versorgung eine wichtige Bedeutung zu, denn oft ist hier eine große Nähe durch die häufigen Kontakte zum Patienten gegeben. Von da aus werden in der Betreuung und aus Gesprächen Bedarfe ermittelt und entsprechende Unterstützung initiiert. Sei es der Seelsorger, der Physiotherapeut oder der Sozialarbeiter...
Es gibt unterschiedliche Versorgungsformen, bei dem dieses Konzept zum Tragen kommt. Sei es durch den entsprechend qualifizierten Hausarzt oder Pflegedienst, in Palliative Care Teams, mittels Konsiliardiensten in Kliniken, in Palliativstationen oder Hospizen.
Eine besondere Möglichkeit der Versorgung ist die neu eingeführte SAPV, die Spezialisierte Ambulante PalliativVersorgung. Ansprechpartner hierfür in Hessen ist die LAPH. Übergeordnet auf Bundesebene hat sich die AG-SAPV (DGP, IG-SAPV und DHPV) gegründet, welche den Prozeß der Implementierung und Weiterentwicklung der SAPV gestaltend begleitet.
Die enge Zusammenarbeit mit ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdiensten ist hierbei eine wichtige Ressource, gerade im Hinblick auf die allgemeine palliative Versorgung.

