Palliative Geriatrie / Hospizkultur in der Altenhilfe
Mit vorsichtigen Schritten, gebückt und gebrechlich durchquert eine ältere Dame auf einen Rollator gestützt den Raum. Andere Patienten können nur noch liegen oder erkennen ihre Familien nicht mehr, die zu Besuch kommen. Das ist das Bild, das sich Karola Krisch bietet, wenn sie sich neben Ihrer Tätigkeit als Präsenzmitarbeiterin als ehrenamtliche Hospizhelferin engagiert. Als „trostlos" würden das sicher viele Menschen bezeichnen. Doch Karola Krisch kommt gern zu den Menschen, die schon viel in ihrem Leben erlebt haben.
In dem Haus, in dem sie tätig ist, werden alte Menschen in Bezugspflege betreut. So hat sie einen nahen persönlichen Kontakt, der ihr ganz besondere Einblicke in das Leben anderer gewährt. „Die palliative Pflege und Betreuung alter Menschen ist anders als die jüngerer Patienten", sagt Karola Krisch. „Bei uns steht die Biographie, die besonderen körperlichen und geistig-seelischen Bedürfnisse im Mittelpunkt." Alte Menschen würden sich zum Beispiel oft ganz anders zu ihren Schmerzen verhalten als junge. Oft sind ihre Patienten auch chronisch krank, dement oder behindert. „Aber trotz dieser Einschränkungen sehe ich immer wieder die Lebensfreude."
Palliative Geriatrie sieht es als ihre wichtigste Aufgabe an, alten Menschen ein beschwerdearmes und würdiges Leben zu ermöglichen. Schmerzen sowie soziale oder seelische Nöte soll sie lindern und unnötige Krankenhausaufenthalte, vor allem im Sterbeprozeß, vermeiden. Ist das für die Mitarbeiter nicht eine allzu starke Belastung? „Ich begleite Menschen im Sterben, weil es für mich selbstverständlich ist, sie in diesem Lebensabschnitt nicht allein zu lassen", sagt Karola Krisch. „Das verstehe ich persönlich unter Nächstenliebe."
Dieser Grundsatz hat sie einst auch in ihrer Berufswahl geleitet. Wenn sie nicht als ehrenamtliche Hospizhelferin unterwegs ist, arbeitet Karola Krisch in einem Altenheim, welches betreutes Wohnen anbietet. „Unsere Gäste leben hier wie in einer Wohngemeinschaft", erzählt sie. „Jeder hat sein Zimmer, dass er sich so einrichtet, wie es ihm gefällt." So sieht man nicht nur in den Gemeinschaftsräumen schöne antike Möbel, sondern auch in den privaten. Die Bewohner organisieren ihren Alltag soweit möglich selbstständig, gehen einkaufen, kochen, empfangen Gäste, feiern Geburtstag. Ehepaare wohnen gemeinsam.
Doch irgendwann endet auch dieser Lebensabschnitt und die hospizlich-palliative Versorgung wird unabdingbar. Sie gewinnt in immer mehr Einrichtungen der Altenhilfe an Bedeutung. Das Engagement von Menschen wie Karola Krisch sowie die Unterstützung der Heimleitung treibt diese Entwicklung voran - und das Ergebnis tut allen Beteiligten gut: den betroffenen alten Menschen, ihren Angehörigen, den Pflegenden, Ärzten und Ehrenamtlichen.
Die Rahmenbedingungen hierfür überhaupt zu ermöglichen, zu sichern und zu erweitern ist ein dringliches Anliegen der Hospizarbeit und erfordert verantwortungsvolle Weichenstellungen im Hinblick auf den demographischen Wandel.
Auch im häuslichen Bereich steht die palliative Geriatrie vor großen Herausforderungen. Gerade das Thema Demenz ist hier beispielhaft und erfordert, gerade aus hospizlich-palliativer Sicht, die Aufmerksamkeit und das Mitwirken aller, um menschenwürdige Lebensbedingungen zu ermöglichen.

