Trauerbegleitung

Werner Gutheil liebt die Sprache der Bilder. Wenn er mit Trauernden spricht, dann ermutigt er sie ihr Schneckenhaus von Zeit zu Zeit zu verlassen, die Fühler auszustrecken, Hoffnung in der Dunkelheit zu finden und den Regenbogen am Horizont zu sehen. Er als Pfarrer und Seelsorger für Trauernde gibt Sterbenden und ihren Angehörigen Beistand. Er hilft ihnen bei der Auseinandersetzung mit dem bevorstehenden Tod. Und am Ende der Gespräche sind ihre Mienen meist nicht mehr ganz so düster wie sie vorher waren.

„Mit Trauer müssen wir alle früher oder später einmal leben", sagt Pfarrer Gutheil. „Daran führt kein Weg vorbei und niemand kann sie uns abnehmen." Wobei er den Menschen aber helfen könne, sei, die Trauer in Bahnen zu lenken, in denen sie besser damit umgehen könnten.

„So fühlen sich Menschen, die einen Angehörigen oder Freund verloren haben, oft allein und isoliert. Sie vergraben sich", erzählt er aus seinen Erfahrungen als Klinikseelsorger. Dabei sei das Alleinsein meist gar nicht das Richtige. „Natürlich gibt es nicht den einen Weg des Trauerns, der für alle Menschen passend ist. Jeder muss seinen individuellen Umgang damit finden." Aber dennoch helfe es aus seiner Erfahrung vielen Menschen, gerade in dieser Lebensphase die Gemeinschaft und das Gespräch mit anderen zu suchen.

Für die Auseinandersetzung mit den Fragen nach dem Sinn von Leben und Tod, von Sterben und dem Danach, will er deshalb Trauernde miteinander in Kontakt bringen. Und zwar so früh wie möglich. „Trauer beginnt oft schon in der Zeit der Krankheit", sagt er. „Das ist aber nicht nur eine Belastung, sondern auch die Chance, die Trauer so früh wie möglich in eine gute Richtung zu führen." Wer Trauer erst nach dem Tod zulasse, sich womöglich noch über Monate darin vergrabe, finde meist auch sehr viel schwerer wieder daraus heraus.

Die Möglichkeiten, mit Trauer umzugehen sind vielfältig. Neben den Einzelgesprächen gibt es Gruppentreffen, gemeinsame Wochenenden, Reisen, spirituelle Angebote. „Auch soziales Engagement hat sich zur Trauer-Bewältigung bewährt", betont er. „Wichtig ist uns vor allem, dass jeder, der in dieser Zeit Hilfe sucht, weiß, dass er niemals ein Bittsteller ist. Vielmehr wünschen wir uns, Trauernden helfen zu können."

Dieses Hilfsangebot erstreckt sich auch auf die ethischen Fragen und Entscheidungsfindungen, die die Behandlung der Erkrankten betreffen. Was wollen die Betroffenen, was wollen die Angehörigen? Was ist zu tun, wenn sich Therapieziele ändern? „In solchen Situationen treten Fragen mit all ihren Konsequenzen auf", sagt Pfarrer Gutheil. „Aber wir müssen uns ihnen gemeinsam stellen. Wir können vor ihnen nicht davonlaufen."

Trauer ist - immer noch - oft ein Tabuthema. Es mangelt noch an qualifizierten Angeboten und der Möglichkeit diese integrativ einzubinden. Die seelsorgliche Begleitung (Spiritual Care) und die Trauerbegleitung sind wesentliche Elemente von Palliative Care. Deren Weiterentwicklung und Integration ist ein Herzensanliegen des Hospiz- und PalliativVerbandes Hessen.

Falls Sie Fragen haben, oder konkrete Unterstützung suchen, nehmen Sie doch mit einem Hospizdienst in Ihrer Nähe Kontakt auf. Viele Hospizdienste bieten inzwischen Einzel- oder Gruppenangebote für trauernde Menschen an.

...oder sie wenden sich an: 

Kontakt Trauerinstitut Deutschland